Allgemeines zum Forschungsprojekt

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Wir wollen die Evolution von Flexibilität im Verhalten und der Physiologie von wild lebenden Tieren verstehen. Diese Flexibilität ermöglicht es Tieren, sich an ihre sich verändernde Umwelt anzupassen. Dadurch können wir auch lernen, ob und in wie weit sich Tiere an den Klimawandel anpassen können. Wir verwenden Methoden aus der Verhaltensforschung, Ökologie, Evolutionsbiologie und Physiologie um zu verstehen, wie ultimate Faktoren mit proximate Mechanismen zusammenspielen.

Die Forschungsstation liegt im Goegap Naturreservat in Südafrika. Goegap liegt 600km nördlich von Kapstadt und 120km vor der Grenze zu Namibia. Biologisch gesehen befinden wir uns in der Sukkulentenkaroo, einem Biodiversitätshotspot. Auch wenn kaum jemand die Sukkulentenkaroo kennt, ist dieses Biom doch genauso wichtig wie der tropische Regenwald. Denn es gibt tausende von Arten, die nur in der Sukkulentenkaroo vorkommen und nirgendwo sonst. Hierbei handelt es sich in erster Linie um Pflanzen: Wildblumen und vor allem Sukkulenten. Aber auch die Tierwelt hier ist faszinierend. Die Sukkulentenkaroo ist eine Wüste/ Halbwüste. In Goegap fallen nur 150mm Regen im Jahr, und das vor allem im Winter. Bäume gibt es kaum, die Temperaturen sind extrem. Frost im Winter, über 40 Grad im Sommer!
Es gibt kaum Großsäuger in der Sukkulentenkaroo. Dazu ist es wohl zu heiß und zu trocken. Dafür gibt es zahlreiche Arten an Kleinsäugern, vor allem Nagetiere und Elefantenspitzmäuse. Unsere Haupstudienart ist die Striemengrasmaus (Rhabdomys pumilio), aber wir untersuchen auch die Buschkarooratte (Otomys unisulcatus) und die Kurzohrige Elefantenspitzmaus (Macroscelides proboscideus).
In den letzten Jahrzehnten haben Freilandforscher unser Wissen über das natürliche Sozialverhalten der Tiere und auch der Säugetiere enorm vergrößert. Wußte man vor 100 Jahren von den meisten Tieren nur etwas über ihre Anatomie, so haben die Verhaltensforscher uns gelehrt, wie sich Tiere verhalten, welche Sozialstruktur sie haben und welches Sozialverhalten sie zeigen, und – ganz wichtig – warum sie dies tun. Verständlicher Weise hat man sich hierbei auf Tiere konzentriert, die einfach zu untersuchen sind. Deshalb wissen wir viel über das Leben von Großsäugern, wie den verschiedenen Affenarten, Löwen und Antilopen. Fast die Hälfte aller Säugetiere (gut 2000 von insgesamt ca. 4700) sind allerdings kleine, mausartige Säugetiere. Diese sind meist nachtaktiv, leben in dichter Vegetation, und sind sehr scheu. Deshalb wissen wir über das natürliche Verhalten der meisten Kleinsäuger sehr wenig.
Unser Hauptstudienobjekt, die Striemengrasmaus kann in Goegap aber auf dieselbe Weise untersucht werden, wie Großsäuger. Die Striemengrasmaus ist tagaktiv, nicht scheu sondern neugierig, und Goegap ist nicht unter einer dichten Vegetationsdecke verdeckt, sondern als Wüste ein sehr offenes Habitat. Seit September 2001 untersuchen wir die Sozioökologie der Striemengrasmaus in Goegap. Unsere Hauptforschungsfragen hierbei sind:

  • Warum und wann beteiligen sich Männchen an der Jungenaufzucht?
  • Warum leben Tiere in Gruppen?
  • Evolution von gemeinsamer Jungenaufzucht (communal nesting or breeding).
  • Wie kommen Tier mit unterschiedlichen Umweltbedingungen zurecht?
  • Evolution und Mechanismen sozialer Flexibilität.


Die Striemengrasmaus liefert hierfür das ideale Studienobjekt. Sie ist sozial flexibel, d.h. kann als Einzelgänger oder in komplexen sozialen Gruppen leben. Diese Gruppen enthalten meist ein Zuchtmännchen, 2-4 kommunal züchtende Weibchen, und erwachsene Nachkommen beider Geschlecher. Gruppen können daher aus bis zu 30 erwachsenen Mäusen bestehen. Diese teilen sich ein Nest und Territorium, ziehen gemeinsam die Jungen der Gruppe auf, interagieren sehr freundlich miteinander, aber reagieren äußerst aggressiv auf fremde Mäuse.